Post-COVID erschöpft Körper und Geist – oft länger als erwartet.
Neue Erkenntnisse zeigen: Der Schlüssel zur Linderung könnte im Darm liegen.
Viele Betroffene von Post-COVID berichten über anhaltende Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, rheumatische Entzündungsprozesse, Gelenksbeschwerden und das Gefühl, dauerhaft „auf Sparflamme“ zu laufen. Die Forschung rückt dabei einen bisher unterschätzten Faktor in den Mittelpunkt: die Darmgesundheit. Studien zeigen, dass eine Dysbiose – also ein Ungleichgewicht der Darmflora – direkt zur körperlichen und mentalen Erschöpfung (Fatigue-Syndrom) beitragen kann. Dies geschieht aufgrund von Immunaktivierung, Veränderungen in den chemischen Botenstoffen im Gehirn und Energiemangel.
ZUSAMMENHANG ZWISCHEN MIKROBIOM UND FATIGUE-SYMPTOMEN
Post-COVID betrifft Schätzungen zufolge allein in Europa in etwa 36 Millionen Menschen. Eine aktuelle Studie eines Forschungsteams der Medizinischen Universität Wien (publiziert im Mai 2025) konnte nun nachweisen, dass die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms eine zentrale Rolle bei Post-COVID spielt. Dafür wurde im Stuhl der Betroffenen eine Mikrobiomanalyse durchgeführt. Zum Vergleich wurde ein gesunde Kontrollgruppe herangezogen. Die Befunde wurden außerdem mit dem Schweregrad der Symptome in Beziehung gesetzt. Im Mikrobiom der Betroffenen konnte eine reduzierte Diversität der Darmflora sowie eine Abnahme der gesundheitsfördernden Bakterien festgestellt werden. Gleichzeitig wurde eine Zunahme von entzündungsfördernden Keimen beobachtet. Die Folge sind chronische Entzündungsprozesse und anhaltende Erschöpfung.
WECHSELWIRKUNGEN VON DARM, IMMUNSYSTEM UND GEHIRN
Der Darm hat Einfluss auf unser Immunsystem, unser emotionales Gleichgewicht und unsere kognitiven Fähigkeiten. Ist die Darmflora gestört, führt dies zu einer geschwächten Schleimhautbarriere (Leaky Gut). Dadurch gelangen Entzündungsstoffe ins Blut und lösen eine Entzündungsreaktion aus, die den gesamten Körper betrifft und die Fatigue-Symptome verstärkt. Veränderungen im Mikrobiom beeinflussen außerdem die Neurotransmitterproduktion (Serotonin, Dopamin, GABA). Die Folge: depressive Verstimmungen, Angst, Schlafstörungen. Bei einem geschwächten Mikrobiom ist zudem ein Rückgang kurzkettiger Fettsäuren zu beobachten. Dadurch werden die Zellen weniger gut mit Energie versorgt. Dies führt zu einer erhöhten neuronalen Erschöpfung mit kognitiven Einschränkungen.
ERKENNTNISSE UND THERAPEUTISCHE ANSÄTZE
Die Studie zeigt, dass die Darmgesundheit einen Schlüsselfaktor bei Post-COVID-Symptomen darstellt. Auch wenn die Forschung dazu noch am Anfang ist, steht bereits jetzt fest, dass Post-COVID mit signifikanten Mikrobiom-Veränderungen einhergeht. Eine ballaststoffreiche, polyphenolhaltige und überwiegend pflanzenbasierte Ernährung stärkt die Diversität des Mikrobioms und könnte daher ein wichtiger Faktor für die Linderung der Symptome sein. Leaky Gut lässt sich mittlerweile gut diagnostizieren und heilen. Mehrere Studien liefern Hinweise, dass auch Fasteninterventionen eine positive Auswirkung haben. Eine Studie der Buchinger-Klinik bestätigt, dass durch Langzeitfasten eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustands erzielt werden konnte. Für eine personalisierte Therapie wird eine individuelle Mikrobiomanalyse empfohlen, auf Basis derer spezifische Ernährungspläne erstellt werden können.
Die Studien-Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven: Eine gezielte Unterstützung des Darms durch die Kombination aus Fasten und Ernährung könnte ein wichtiger Baustein sein, um Post-COVID-Symptome nachhaltig zu lindern und den Weg zurück in mehr Energie und Lebensqualität zu ebnen.
Quellen: Studie eines Forschungsteams der Medizinischen Universität Wien (publiziert im Mai 2025) , Studie der Buchinger-Klinik
Autor: Mag. Aneta Pissareva
Doppelstudium Klinische Ernährungsmedizin/Ernährung & Sport, ist seit 2012 ärztlich zertifizierte Fastenleiterin und bietet fundierte Mikrobiomanalysen sowie individuelle Ernährungsberatung an.
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